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Janna Völker,
03.02.2017

SPD-Empfang zur Grünen WocheLebensmittel-Marketing 4.0: Eine Chance für die Vielfalt

Das Themenforum Verbraucherpolitik hat zur Grünen Woche darüber diskutiert, welche Chancen die Digitalisierung für die Direktvermarktung von Lebensmitteln haben kann.

Für Elvira Drobinski-Weiß, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, liegen die Vorteile auf der Hand. Sie hieß die Gäste auf der Domäne Dahlem, einem alten Rittergut im Süden Berlins, willkommen. Gerade kleinere Anbieter von Spezialitäten und Nischenprodukten könnten über das Internet neue Kunden gewinnen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher biete das Netz gute Möglichkeiten, sich über die Herkunft und die Herstellung eines Produktes genau zu informieren.

Mit der RegioApp können Verbraucherinnen und Verbraucher einfach und bequem erfahren, welche Direktvermarkter es in ihrer Umgebung gibt. Claudia Schreiber vom Bundesverband der Regionalbewegung rief die Landwirte dazu auf, sich an dem Projekt zu beteiligen. Umso mehr Regionen sich beteiligten, umso größer die Reichweite. Das Einzugsgebiet der RegioApp, derzeit vor allem Bayern, will die Regionalbewegung schrittweise auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen.

Außer Frage stand für die Expertinnen und Experten auf dem Podium, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln in den nächsten Jahren wachsen werde. Wichtig sei es, sich früh darauf einzustellen, betonte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Dann bestünden gute Chancen für Erzeuger und Verbraucher, bestehende Marktstrukturen aufzubrechen. Voraussetzung hierfür sei, dass einzelne Plattformer nicht zu mächtig würden. Er mahnte eine Diskussion über Plattform-Ökonomie an.

Gerd Billen, Staatssekretär beim Bundesverbraucherschutzministerium, schlug in die gleiche Kerbe. Der Wettbewerb um den Preis und um die Daten werde den Trend im Lebensmittel-Onlinehandel zunächst bestimmen. Er plädierte für den Grundsatz der Datensparsamkeit. Es dürften keine weiteren „Fütterungsmaschinen“ für die großen Online-Anbieter entstehen. Wenn andere schon vorher wüssten, was man essen wolle, sei Vorsicht geboten.

"Green Farmer" zeigt, wie Direktvermarktung im Internet aussehen könnte. Borris Förster, einer der Gründer, ist überzeugt, dass die digitale Vermarktung einen fairen Deal für Verbraucher und Landwirte bereithält. Dieser werde möglich, da alle Zwischenschritte bis auf die Logistik ausgeschaltet würden. Er betonte wie Claudia Schreiber die Bedeutung der gemeinsamen Organisation. Das gelte selbst für die Belieferung des lokalen Supermarkts mit Produkten aus dem Umland.

Das Fazit aus der Diskussion, moderiert von Sarah Ryglewski, Sprecherin des Themenforums Verbraucherpolitik, fiel gemischt aus. Die Skepsis gegenüber dem Trend zum Online-Handel war bei Teilen des Publikums deutlich spürbar. Geleichzeitig wurde die Forderung an die Politik aufgestellt, kleinere Betriebe gezielter zu fördern, damit diese sich auf dem digitalen Lebensmittelmarkt behaupten könnten.

Die Chancen seien da, so Jochen Hartloff, Beiratsvorsitzender des Themenforums Verbraucherpolitik, zum Schluss, sowohl für die Vielfalt des Angebots als auch für eine engere Beziehung zwischen Herstellern und Verbrauchern. "Allerdings müssen wir den notwendigen Rahmen setzen, damit am Ende nicht Amazon & Co unser Leben bestimmten"